MUSICAL – EINE LEIDENSCHAFT

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© Peter KURZ/CONTRAST – CON 1124 – Wien, 1988 – Musical „Das Phantom der Oper“ mit Luzia NISTLER und Alexander GOEBEL. BŸhne, AuffŸhrung. – 20041214_PD3656

Musical ist Teil meines Lebens und damit hätte ich nie gerechnet.

Meine Musik-Chromosomen hießen Elvis, Conny, und Arbeiterchor, damit bin ich aufgewachsen. Ich hatte keinerlei Berührungspunkte mit Musical, bis ich 1970 den Film „Easy Rider“ sah. Da verstand ich zum ersten Mal, dass eine Handlung durch den richtigen Einsatz der richtigen Musik emotional verstärkt wird und somit seine Botschaftsqualität steigern kann. Ich verstand die Botschaft des Films nicht nur – ich fühlte sie. Obwohl niemand der Darsteller auch nur einen Ton sang, war es die erste Erfahrung, die ich mit der Verschmelzung von Handlung, Schauspiel, Musik, und Botschaft machte.

Mein erstes klassisches Musical sah ich ebenfalls im Kino: „Jesus Christ Superstar“, und da erfuhr ich, dass Musik emotional wesentlich sein kann, um eine bekannte Geschichte überhaupt oder neu zu begreifen. Die Sprache der Kunst, also Musik, Tanz, Darstellung, Energie, etc., machte es mir möglich meine persönliche Interpretation der Geschichte zu finden. Ich war beeindruckt, fühlte aber keinerlei Drang da einzusteigen, zumal zu jenem Zeitpunkt das Theater für mich weit weit weg war. Ich sang in einer Band und stand auf die Beatles. Einzig der Einstiegssong des Judas „Heaven on their minds“ faszinierte mich so, dass ich ihn lernte, nur für mich. Das sollte mir ein Jahrzehnt später zugute kommen.

Als ich 1972 mit meiner Freundin Heidi Puffer das „Kindertheater Benjamin“ gründeten entschieden wir, gemeinsam mit einer Kindergruppe im Alter zw. 9 und 14, für die Revue als Format des ersten, selbst entwickelten Stückes . Also eine lockere Aneinanderreihung von Szenen, Songs, und Sketches und Tanz. Das kam sowohl auf der Bühne als auch im Publikum sehr gut an. Noch immer hatte ich keine Ahnung dass Musical bereits eine Rolle für mich spielte.

1976, im ersten Jahr am Max Reinhard Seminar in Wien, engagierte mich Topsy Küppers an ihr Freies Theater Wieden für eine Travestie-Show namens „Girls Girls Girls“, in der ich, schwer zu erraten, ein Girl spielte. Es wurde gesungen, gespielt und getanzt. Hoch das Bein und laut die Stimme, aber ich war immer noch schimmerlos.

1977 eröffnete ich mit dem H. R. Unger-Stück „ORPHEUS & EURYDIKE UND DIE GLASPERLEN-INDUSTRIE“ das neue Ensembletheater im Wiener Konzerthaus als Teil eines grandiosen und leidenschaftlichen Ensembles, das mich als Newcomer geduldig und liebevoll aufnahm. Ich war in der Rolle des „Orpheus“ zur Gitarre singend zu sehen, aber immer noch  kein Gedanke an Musical.

1979 wurde ich für „Romeo & Julia“ ans Wiener Volkstheater engagiert, dort sah mich Rolf Kutschera, damals Direktor des Theaters an der Wien und der Mann, der das Musical in Wien begründete und groß machte, der wahre und einzige Mr. Musical in Wien. Er rief mich am nächsten Tag an und stellte mir die schicksalhafte Frage: „Sagen Sie, Goebel, würde Sie Musical interessieren?“ Da war es also, das erste Mal, als ich diesen Begriff hörte im Zusammenhang mit meinem Namen, und eine lebenslange, leidenschaftliche Liebe begann.

Der Rest ist Biografie und Geschichte.

Heute ist Musical für mich eine Konstante und ein Hoffnungsträger. Wo immer ich auf der Welt bin, vor allem natürlich London und New York City, ist mir der Besuch eines Musicals wie Heimat, wie ein familiäres Spektakel, eine Sprache die ich kenne. Ich gehe gern in Musicals und ich spiele gerne Musical. Aber viel mehr noch interessiert mich der zukünftige Weg, die nächste Revolution des Musicals, der Übergang ins digitale Zeitalter, Musical 4.0.

Ich sehe großartige Möglichkeiten für Synergien mit Wirtschaft und Industrie für das Format Musical, ich sehe eine neue theatralische Sprache der Jugend, ich sehe die Instrumente Schauspiel, Musik, Bewegung, und Energie als Laserstrahl von Botschaften von gesellschaftlicher Relevanz. Musical ist: Attraktives Angebot für wichtige Inhalte in unterhaltsamer Form für möglichst viele Menschen. Und es wird immer ein Teil meines Lebens sein.