Fussball-WM 2018 – ein Konflikt!

02.06.2018

  Politisch-kapitalistische Vergabespielchen – sind wir machtlos?

Als absoluter Fan des amtierenden Weltmeisters freue ich mich natürlich mächtig auf das Turnier. Andererseits findet es in Russland statt,  jenem Land, dessen Führungspersönlichkeit mehr als umstritten ist (Ukraine; Krim; kritische Stimmen; digitale Sabotage; etc.) Was tun als Konsumenten mit Haltung und Werten? Sollen wir unsere Integrität aussetzen, schließlich handelt es sich ja „nur“ um eine Sportveranstaltung? Oder unter Protest die Spiele verfolgen? Who cares?! An der unglücklichen Foto-Aktion der türkisch-stämmigen deutschen Spieler Gündogan und Özil mit Erdogan hat sich doch schon eindrucksvoll gezeigt, dass Sport, und noch dazu dieser, keinesfalls jemals unpolitisch sein kann und wird. Im Gegenteil werden seit jeher von Olympiaden abwärts alle globalen Sport-Events dazu benutzt um politische Botschaften zu transportieren, von Berlin 1936 und seinem propagandistischen Power-Trio Hitler, Goebbels, Riefenstahl, über die Olympiade 1984, von Russland boykottiert, bis zur Olympiade Rio, die einzig dazu da war um der Welt und den eigenen Leuten vorzumachen, dass in Brasilien alles Peace, Love, Happiges sei. Diese Übung ist kräftig schief gelaufen! Die Brasilianer gingen nicht ins Stadion,  waren offen gegen den Event, und für die nächsten Jahrzehnte werden wir immer wieder Fotos von den verrottenden Stadien sehen, Sinnbilder auch eines moralischen Verfalls.

Moral und Sport? Schließen sich ein, schließen sich aus? Ich habe derzeit keine Antwort, weil ich mir nun wirklich nicht vornehmen kann, eine Fussball WM aus politischen Gründen nicht anzuschauen, wiewohl das eigentlich angesagt wäre. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, bei uns ist Fussball genetisch verankert, ich würde gegen meine Natur agieren, das kann ich nicht. Aber was ich kann ist folgendes: Ich kann alle Sponsoren eines Fussball-Turniers pro-aktiv boykottieren, dies über Social Media veröffentlichen und als passiven Widerstand anbieten und feiern. Insofern freue ich mich schon besonders auf Quatar 2022! Da werde ich zwar wieder den amtierenden Weltmeister Deutschland verfolgen und unterstützen, aber gleichzeitig den Veranstaltern eine Lektion erteilen: Wir sind keine willen- und meinungslosen Marionetten irgendeines Sports! Wir lassen uns nicht verarschen! Wir kaufen euer Zeug einfach nicht! Und wenn ein Schoko-Power-Riegel-Anbieter clever genug ist zu kommunizieren, dass er ebenfalls gegen eine WM in einer Diktatur ist, dann werde ich im Sommer 2022 halt ein paar Kilo zunehmen, weil ich werde das Zeug bei jedem Spiel verzehren und verteilen. Aus Solidarität, aus Integrität und Haltung. Das sollte sie zumindest verunsichern in ihren politisch-kapitalistischen Vergabespielchen.