Die Bühne

Leidenschaft und Demut. Die Bühne ist seit jeher der von Menschen behauptete Ort der Magie. Man ist Teil einer zeitlich begrenzten Gemeinschaft, die neugierig auf Zauberei und Wunder wartet. Jeder auf sein eigenes. Als Zuschauer lohnt es sich schon für den kurzen, sanften Schauer, wenn das Licht im Saal erlischt und auf der Bühne erleuchtet, das erste Wort, der erste Ton, die erste Note. Hinter der Bühne ist es ähnlich rituell, der erste Schritt hinaus ins Licht, man verlässt die Komfortzone Backstage und betritt die Entblößung Bühne, nie sicher ob man wohlwollend empfangen, ob man berühren wird. Das Spiel beginnt, der Energieaustausch fährt, Publikum und Künstler bringen Höchstleistungen, man zelebriert einen oder gar mehrere Höhepunkte der euphorischen, emotionalen Übereinstimmung miteinander, und dann verabschiedet man sich auch schon wieder, die einen mit Applaus und die anderen mit Verbeugung. Leidenschaft und Demut. Und immer in 3D.

 

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Theater oder Musical, und einer Live-Show mit Band oder Orchester. Theater ist die Disziplin der Wiederholbarkeit von genau erarbeiteten Erzählweisen. Live-Shows sind die Wiederholbarkeit von Situationen. Beide arbeiten mit Emotionen. Theater setzt die Gefühle in Beziehung zu einer Geschichte, während die Künstler eine Live-Show die Gefühle zur freien Entnahme anbietet. Mit großartigen Kollegen zu arbeiten, ob Darsteller oder Musiker, ist immer ein Segen und ein endloser Quell der Entwicklung. Bei aller Professionalität die vom Publikum erwartet wird, und der man gefälligst zu entsprechen hat, sind es doch diese kleinen energetischen Signale, die kindliche Freude am Tun, die Leidenschaft mit der man auf der Bühne steht, die Liebe zum Moment und der Mut zur Freiheit, die dann den Unterschied zu einem außergewöhnlichen Abend machen. Und das ist mein Standard. Anders braucht man gar nicht erst raus gehen.