Conchita Wurst führt!

21.05.2014

Conchita Wurst führt! Und das ist nicht allen recht. Allein die Selbstbefreiung der Schwulen aus dem moralischen Ghetto hat so viel Buntheit und Lebenslust in unser aller Dasein gebracht, dass wir heterosexuell neidisch sind auf ihre Protagonisten. Nicht imstande das lebensfrohe Tempo mit den angeblich „unmännlichen“ Männern mitzuhalten, kämpfen wir noch verzweifelt um uralte Denk- und Handlungsweisen und werden inzwischen von unseren Frauen verlassen, von unseren Chefinnen gekündigt, und von unseren Töchtern verlacht.

Die Regenbogen-Bewegung befand, ganz ohne Beschluss einer zentralen Schwulenregierung, dass es sich aufrecht in der eigenen Welt besser lebt als  devot dankbar in einer Gastgeberwelt. Gesellschaftliche Verachtung wurde in Energie umgewandelt und führte zu Wirtschaftserfolgen, Wohlstand, und Selbstbewusstsein. Das macht Angst, und Angst macht bekanntlich aggressiv.

Und jetzt gewinnt Conchita Wurst den Eurovisions Contest im Auftrag Österreichs. Das war so nicht geplant, man wünschte sich einen Achtungserfolg, aber doch bitte keine Führungsrolle in der Europäischen Toleranzbewegung, du meine Güte. Jetzt  ist man plötzlich der Vielfalt verpflichtet und steht unter Druck, hat keine Zeit mehr zu lernen und muss improvisieren, also ist man jetzt lieb-eral. Wurst ist bereits ein Weltstar, weder auf Provokation noch auf Revanche aus, arbeitet sie aus der sicheren Identität einer selbstbewussten Lebensentscheidung und hat ihre eigene, gewaltlose Sprache gefunden, beste Voraussetzungen um etwas nachhaltig zu bewirken.

Die Obama in Drag (yes she can!) ist entschlossen diese Insel vom Joch der Ignoranz zu befreien – Venceremos, Conchita! Frau Wurst führt die Werte einer Nation an und das führt entweder zu Wachstum oder zu Regression, jedenfalls führt sie. Und das ist auch gut so.